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TankTaler als Treuhänder #datafordrivers

Wem gehören die Fahrzeugdaten?

Manche Autos senden alle 30 Minuten, andere alle 2 Minuten. Dass unsere Autos eine Unmenge an Daten sammeln und diese oftmals an den Fahrzeughersteller senden, ist nichts Neues. Gegenwärtig betrachten Autohersteller gesammelte Fahrzeugdaten als ihr Eigentum, da die Daten von ihren Fahrzeugen produziert werden. Diese sind aber nicht die einzigen, die sich im Recht des Eigentums glauben. Von Autohalter, Fahrer, Versicherer, Dienstanbieter und auch der Staat – es sind zahlreiche Interessenten, die ihre Ansprüchen laut werden lassen. Da es im Moment hier keine gesetzlichen Regelungen gibt, ist schon seit einigen Jahren eine hitzige Diskussion im Gange. In diesem Streit geht es nicht nur darum, wo und wie lange die Daten gespeichert werden (z. B. im Auto oder auf Servern der Hersteller), sondern auch wer die Daten, wie verwenden darf (anonymisiert/pseudonymisiert).

Je mehr Schnittstellen ein Auto hat, desto anfälliger wird es für ungewollte Zugriffe. Die Sicherheit beginnt im smarten Auto bereits beim Fertigungsprozess. Dort werden die Weichen für die Sicherheit und für all die beim Fahren generierten Daten gestellt. Schon hier stellt sich die Frage, wem die Daten eigentlich gehören. Allen Vorteilen der Connected Car Technologie zum Trotz darf diese nicht auf Kosten der Datensicherheit gehen. Mehr und mehr Stimmen fordern deshalb, dass vom Auto generierte Daten auf einem neutralen Server zwischengespeichert werden und es der Autofahrer ist, der entscheidet, welche Informationen an Dritte weitergegeben werden. Statt Daten den Fahrzeugherstellern zuzuordnen, fordern jetzt auch Versicherungen wie die Allianz oder die HUK Coburg einen unabhängigen Dritten im Auto. So sagt die Allianz Ende Januar:

„Wichtig ist dabei, dass weder die Autohersteller, die Versicherer, noch andere beteiligte Interessengruppen einen exklusiven Zugang auf die Daten erhalten.“

Dieser Dritte soll als Treuhänder agieren und sicherstellen, dass gesammelte Daten in die richtigen Hände gelangen. In diesem Blogartikel wollen wir Antworten für die Fragen “wem gehören eigentlich die Autodaten”, “was ist ein Treuhänder” und auch, “welche Rolle wir hier von TankTaler spielen können” finden.

Daten, ohne tatsächlicher Eigentümer dieser Daten zu sein

Unser Rechtssystem kennt lediglich das Eigentum an körperlichen Dingen, für Daten klafft derzeit eine Gesetzeslücke. Das bedeutet, dass Daten keinem Schutzrecht wie etwa dem Urheberrecht oder dem Patentschutz unterliegen. Es muss allerdings auch die andere Seite gesehen werden: Der gegenwärtige Umgang mit Daten fördert Innovation und verhindert Datenmonopole. Denn so basiert z.B. Big Data auf offenen Verfügungsrechten und wenn im Moment der Generierung der Daten deren Wert noch nicht absehbar ist. Dieser freie Informationsfluss sollte nicht durch Ausschließlichkeitsrechte und damit entstehenden Datenmonopolen gefährdet werden.

Solange der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen nicht genauer festgezurrt hat, ist es umso wichtiger, dass Unternehmen die Verfügung und Kontrolle über die von ihnen produzierten Daten kommunizieren und auch vertraglich festlegen. So lässt sich vertraglich regeln, wer welche Nutzungsrechte an Daten hat, wie diese gespeichert und verwendet werden.

Mit der Europäischen Union die Datenhoheit bei den Fahrer lassen

Im Gegenzug zum nationalen Recht, sieht das Europäische Recht im Moment vor, dass Fahrer entscheiden können, welche Serviceanbieter Zugang zu ihren Kfz-Daten haben sollen. Nur dadurch ist gewährleistet, dass sie aus einer Reihe innovativer Dienstleistungen wie beispielsweise Ferndiagnosen für effizientere Reparaturen oder maßgeschneiderte Versicherungsprodukte wählen können und auch, dass diese überhaupt eine Chance auf dem Markt haben und entwickelt werden. Dieses Recht ist allerdings gefährdet – Automobilhersteller entwickeln vermehrt Systeme, die ihnen den alleinigen Zugang zu diesen Daten und damit die gesamte Kontrolle der Daten erlauben. Diese Abschirmung der Daten würde nicht nur ein Datenmonopol bedeuten, sondern würde außerdem Wettbewerb und Innovation im Weg stehen. Aus diesem Grund muss die Europäische Union hier mit gesetzgeberischen Maßnahmen eingreifen und sicherstellen, dass der Fahrer die Hoheit der Daten auch in Zukunft behält. Diese Abhängigkeit aller beteiligter Interessengruppen von den Autohersteller macht klar, warum sich unter anderem auch die Allianz oder die HUK Coburg für unabhängige Treuhänder im Auto äußern und stark machen. Auch der Branchenverband der Versicherungen äußert sich bei den Goslaer Verkehrssicherung Ende Januar zu dem Thema:

„Die Aufklärung der Schadenursache beziehungsweise das Auslesen der Fahrzeugdaten muss einfach und standardisiert möglich sein: Automatisiert fahrende Autos müssen technische Störungen aufzeichnen und Auskunft geben können, wann der Fahrer und wann ein technisches System das Auto steuerte. Klar geregelt ist auch, dass diese Daten nach einem Unfall Versicherern, Rechtsanwälten oder Sachverständigen zur Verfügung gestellt werden müssen.”

Ein Treuhänder könnte die Wogen glätten

Ein Treuhänder ist ein sachkundiger Experte, der unabhängig agiert. Voraussetzung ist, dass dieser vertrauenswürdig ist. Im Fall der Fahrzeugdaten ermöglicht ein Treuhänder den einfachen, kostengünstigen und standardisierten Zugang zu Fahrzeugdaten. Ein Treuhänder könnte in die sehr umstrittenen Fahrzeugdaten etwas Ruhe und Klarheit bringen und laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Daten an diejenigen übermitteln, die darauf einen berechtigten Anspruch haben. Dieser könnte im Fall der Autodaten sicherstellen, dass die Daten auch tatsächlich nur anonym weitergeleitet werden oder aber z.B. in Ausnahmesituationen zur Klärung von strafrechtlichen Verfahren verwendet werden. Wie so ein Treuhänder aussehen kann? Mit einem unabhängigen Dritten im Auto eignen sich Anbieter von OBD2-Steckern, die in jedem Auto standardisiert eingesteckt werden können und Daten sammeln, diese aber dem Autofahrer zur Verfügung stellen. Genau das ist auch unser Ziel mit dem Stecker + App von TankTaler. Wir wollen sicherstellen, dass Daten beim Autofahrer bleiben und dieser bestimmen kann, was damit passiert. Persönliche Daten werden getrennt von Bewegungsdaten ausschließlich auf deutschen Datenservern gespeichert.

Wie ihr dazu beitragen könnt, euch für den Eigentum eurer Daten stark zu machen 

Kampagnen wie z.B. #data4drivers wollen die EU zum Handeln bringen und die unlängst notwendigen gesetzlichen Richtlinien erzwingen. Nutzt jetzt eure Stimme, um euch für das Gesetz einzusetzen! Dazu könnt ihr auf der Webseite von #datafordrivers euch mit eurer Unterschrift der Petition anschließen.

Mehr zu dem Thema und der Forderung der Versicherungen findet ihr unter anderem hier.